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Macht Geld frei?

Freitag, 7. August 2009

Freunde,
heute habe ich etwas ganz Besonders für Euch: Einen Gastbeitrag des von mir hochgeschätzten Benjamin Blaesi. Er bloggt im allerbesten liberalen Sinne hier. Und zwar so konsequent, dass man sich selbst ertappt, sich auch mal herrlich daran reiben kann und natürlich immer wieder hinklickt.

Also: Macht Geld frei? Das war meine Frage. Und hier seine Gedanken dazu:

Erstens
Die libertäre Definition von Freiheit – Freiheit als Abwesenheit von Zwang und Gewalt:

Diese Art von Freiheit ist nicht abhängig von Geld. Vielmehr sind die Kultur, die ethisch-moralischen Vorstellungen und der Charakter der betreffenden Personen ausschlaggebend.

Doch Geld ist die Voraussetzung für ein marktwirtschaftliches, neuzeitliches Sicherheitswesen. Denn je mehr Wohlstand vorhanden ist, umso ausgeklügelter die Schutzmechanismen, die das Individuum erstehen kann, umso gerechter auch die Justiz, denn der Rechtsfindung stehen nun bessere Mittel zur Verfügung, um über Schuld und Unschuld eines Verdächtigen zu urteilen.

Zweitens
Freiheit als Handlungsspielraum: In dieser heutigen, von Technik und Technologie durchdrungenen Welt existieren eine Myriade Handlungsmöglichkeiten, Tausende mehr als im Mittelalter oder in der Antike. War die Anzahl Freizeitmöglichkeiten vor ein paar hundert Jahren gerade mal auf Beizenbesuch, Bordellbesuch, Ausflug an den nahen See und Daheimbleiben bei Kind und Familie beschränkt, kann man heute zwischen chinesischem Take-Away und französischem Fünfsternerestaurant, Stripshow und Casinobesuch, Ferien in Hawaii und Pazifikkreuzfahrt auswählen (nicht zu vergessen all die Vergnügungen, die in digitalen Maschinchen wie iPhones oder Wiis schlummern).

Dies alles sind Optionen, die sich nur in einer stark arbeitsteiligen Wirtschaft erdenken lassen. Doch Arbeitsteilung erfordert Handel: Hunderte Tauschgeschäfte werden getätigt, bloss um einen simplen
Bleistift in die Papeterie deiner Kleinstadt zu liefern. Transaktionen, die Geld als Tauschmittel bedingen. – Der Direkttausch (Ware/Ware) wird durch einen Kauf (Ware/Geld) ersetzt, wodurch beliebige Transaktionen zwischen beliebigen Personen erst möglich werden. Die zeit- und kraftraubende Suche nach einem passenden Tauschpartner (der die gewünschte Ware hat und bereit ist, sie gegen die angebotene Ware einzutauschen) entfällt. Das einzige, das verhandelt werden muss, ist der Preis.

Womit ein anderer Vorteil des Geldes angesprochen wäre: Es ermöglicht den Preismechanismus, ohne den die “effiziente Allokation der knappen Ressourcen” schwer möglich wäre und dessen Abwesenheit einerseits zu grober Ineffzienz, d.h. blatanter Verschwendung führen würde, andererseits das Unternehmertum verkrüppeln würde, da es gerade die Preise sind, die dem Unternehmer erlauben, Angebot und Nachfrage zu kennen und so momentane Entscheide zu fällen und zukünftige Tätigkeiten zu planen.

Die Existenz von Geld ist zwar nicht Bedingung eines freien Marktes, da dieser, d.h. der freiwillige Tausch von Gütern, auch ohne Noten und Münzen möglich ist. Geld verhilft dem Kapitalismus aber erst zu seiner
Blüte. Die Genialität des Marktes wäre ohne Geld kaum sichtbar.

Geld ist somit der Schlüssel zum Wohlstand. Die Abschaffung von Geld würde folglich nicht ins sozialistische Paradies führen, sondern die Menschheit um Jahrtausende zurückwerfen und uns nicht zur unsere technologischen Gadgets kosten, sondern vermutlich auch ein gutes Stück Zivilisation.

Wohlstand wiederum kreiert Handlungsoptionen, die einen anderen Aspekt des breiten Konzepts der Freiheit darstellen, da ihr Vorhandensein erst die Selbstverwirklichung des Menschen ermöglicht. Das Individuum ist also umso freier, je mehr Möglichkeiten ihm offen stehen.

Somit darf ich schliessen, dass sich der Mensch einzig im freien Markt, in den ein gesundes Geldwesen integriert wurde (keine planwirtschaftliche Verkrüppelung, wie sie heute existiert), frei und kreativ entfalten kann. Der Humanismus bedingt also genau wie der Individualismus (denn beide fordern die Selbstverwirklichung des Einzelnen) die Existenz von Geld.

Drittens
Geld befreit auch den Geiste, denn erst genügend grosser Wohlstand ermöglicht uns, zu sinnieren. Nachzudenken. Müssiggang zu treiben (gedanklich wie fleischlich).

Viertens
Das post-scarcity-Zeitalter lässt sich nur erreichen, wenn der Kapitalismus genauso angenommen wird wie neue Technologien. Das Erreichen dieses Punktes, wo Maschinen sämtliche Produktions- und Fertigungsprozesse übernehmen und auch eine Unzahl Dienstleistungen anbieten können, würde nicht nur den Handlungsspielraum des Individuums extrem vergrössern, sondern ihn auch der ‘Pein der Arbeit’ entbinden, da er sich nun nicht mehr selber ernähren müsste, sondern von Maschinen genährt, gekleidet und technologisch ausgerüstet werden würde. Der Mensch hätte also seine gesamte Lebenszeit zur Selbstverwirklichung zur Verfügung und müsste sich keine Sorgen mehr um seine Arbeitsstelle oder die Bezahlung der Hypothek machen.

Fünftens
Einzig der Kapitalismus kann die Menschen in den Besitz jener Technologien bringen, die ihn nicht nur ferne Galaxien entdecken lassen werden, sondern ihn auch von Krankheit, Zerfall und Tod befreien werden, also den transhumanistischen Traum verwirklichen.

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Nochmal danke, Benjamin!

Arbeit. Abhänigkeit. Wahnsinn. Kritik.

Freitag, 6. März 2009

Eben war ich im Supermarkt. Nein. Keiner dieser Hochglanzsupermärkte. Ein kleiner Jibi war es. Aus den schlechten Boxen kam Musik: Eight Days A Week von den Beatles.

Eigentlich könnte es hier enden. Aber.

Was war das damals für eine Revolution: die Beatles. Und heute läuft Eight Days A Week im Jibi. Während ich an der runden Frau vorbeigehe, die abgepackte Wurst in die Regale räumt. Und ich denke, was sie wohl denkt. Und sie denkt, dass sie nachher noch Mortadella mitnehmen muss. Und dass hinten noch mehr Kartons stehen. Aber eigentlich hat sie gleich Feierabend. Endlich Wochende.

Und dann kommt eine der Marktkräfte vorbei. Geht ins Lager. Nuschelt irgendwas, aber gar nicht drängend oder unfreundlich, und die Räumfrau antwortet: Ja, kein Problem. Das mache ich eben noch.

Und wie gutmütig sie dabei geklungen hat. Und wie nett von ihr, dass sie den Handschlag gerade noch macht.

Aber wird diese Bereitschaft nicht schamlos ausgenutzt?

Ist es nicht nächste Woche nicht nur ein Handschlag, sondern eine Stunde? Und ist es nicht auf anderen Ebenen nicht nur eine Stunde, sondern vier – pro Tag? Und sind es dann nicht Wochenenden und Nächte und ist es im nächsten Schritt nicht der Supermarkt, sondern die Chemiefabrik – in China?

Wo soll das alles hinführen? Und ist es nicht eigentlich auch egal? Hauptsache, der Wahnsinn hat ein Ende!